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Guttenberg - Was sollen wir tun?
Freitag, den 04. März 2011 um 20:01 Uhr
Sehr geehrter Herr Mackenroth,
ja, was sollen wir tun?
Diese Frage hat sich wohl durch die Geschichte selbst überholt – Leider. Was hätten wir tun können / was hätte getan werden können?
Zumindest wäre es wünschenswert gewesen, wenn Herr zu Guttenberg mehr Unterstützung bekommen hätte. Wünschenswert wäre gewesen, wenn unsere Bundeskanzlerin klare Worte gefunden hätte, bzw. von der Möglichkeit das Rücktrittsgesuch nicht anzunehmen Gebrauch gemacht hätte. Wenigstens hätte sie es so lang zurückstellen sollen, bis diese ganze so genannte Geschichte aufgeklärt worden wäre.
Natürlich ist es nicht sonderlich schön, dass es zu einer solchen Panne gekommen ist. Aber: Eine solche Arbeit wird mindestens von zwei Personen gelesen und bewertet und einem jeden Doktortanten steht ein „Doktorvater“ zur Verfügung und eine solche Arbeit muss sicherlich verteidigt werden. In diesem Fall haben also nicht nur Herr zu Guttenberg Fehler gemacht, sondern wenigstens weitere 3 Personen.
Die Fragen die wir uns gefallen lassen müssen sind nun zum Bsp. (eine kleine Auswahl an Fragen mit denen ich ab und an konfrontiert werde) folgende:
- Warum wurde das gerade jetzt bekannt?
- Wer steckt dahinter?
- Warum hat unsere Kanzlerin sich nicht klar hinter den ehem. Minister gestellt, zumindest bis der Fall endgültig abgeschlossen wurde?
- Welche Konsequenzen haben die anderen Beteiligten zu tragen?
- Werden die Prüfer der Arbeit nun ebenfalls aus dem Dienst entlassen (die logische Konsequenz wäre es, da diese die Fehler nicht entdeckt hatten, es also bezweifelt werden kann, dass die Arbeit überhaupt geprüft wurde)?
- Warum wird zugelassen, dass in einer Demokratie wo angeblich der Schutz des Einzelnen im Vordergrund steht, ein Mensch mit zweifelhaften Vorwürfen von fragwürdigen Personen vernichtet wird?
- Hat unsere eigne Partei- und Regierungsspitze einen möglichen zukünftigen „starken Mann“ günstig entsorgt?
Das hierzulande die jeweilige Opposition jeden Vorwand und jeden möglichen Vorwurf nutzt um einen ihrer „Gegner“ aus dem Weg zu räumen ist leider bekannt und alltäglich. (Wobei allein der Gebrauch des Wortes „Gegner“ im Zusammenspiel von demokratischen Kräften deren Sorge das Wohl des Landes sein sollte, ein Unding an sich ist.) Das diese kein Interesse an einer „starken“ Person hat, ist verständlich, um so enttäuschender ist, dass unsere CDU / CSU Spitzenpolitiker in die gleiche Richtung schossen, bzw. schweigend abgewartet haben was passiert.
In unserem Land (die Umfragen zeigten es all zu deutlich) war Herr zu Guttenberg einer der Politiker, die hohes Ansehen im Volk besessen haben, er hatte es geschafft Menschen zu begeistern und wieder etwas mehr für das politische Geschehen zu interessieren, er konnte polarisieren und Meinungen bilden, er hätte durchaus eine Zukunftsfigur in der deutschen Politik und damit ein Garant für zukünftige Regierungen der CDU / CSU werden können. Und wenn wir ehrlich zu uns selbst sind, benötigen wir dringend einen neuen Kandidaten. So gern wie ich unsere Kanzlerin persönlich schätze und auch bewundere, sie hat seit der letzten Wahl erheblich an Schwung und „Biss“ verloren und sollte es ihr nicht gelingen, schnellstens durch irgendein Thema wieder positiv aufzufallen oder sich in die Köpfe und Herzen der Menschen zurück zu rufen, stellen wir als CDU garantiert keine zukünftige Regierung. Auch wir die ganz kleinen Steigbügelhalter in Kommune und Gemeinde werden dies zu spüren bekommen.
Da wir gerade ganz ehrlich sind, müssen wir zugeben, dass wir in unserer jetzigen Führungsspitze (von Bund bis hin zu den Gemeinden) kein Mitglied haben was uns einen zukünftigen Wahlerfolg sichern kann, weder vorhandene Personen, noch die betriebene Politik sorgt für positive Stimmung unter den Menschen, im Gegenteil. Es ist schade, dass wir als CDU eine Chance auf Vertrauensbildung im Volk vergeben haben. Wir haben uns einmal mehr nur mit uns und nicht mit der Sache beschäftigt. Nicht das Volk, sondern zweifelhafte, eigennützige Kräfte hatten ein Problem mit zu Guttenberg. Das Bild vom „Menschen“ zu Guttenberg war es was den Leuten gefallen hat. Ein Bundesminister – einer „von denen da oben“ - hat auch einmal einen Fehler gemacht, er ist also wie wir nur ein Mensch, einer von uns. Sicherlich hat man drüber gegrinst, aber zu keiner Zeit wurde vom Volk der Bundesrepublick der "Kopf des Ministers" gefordert. Dies war es was Herr zu Guttenberg an Gefühlen / Gedanken bei den Menschen im Land initiiert hatte, dazu noch seine Art damit umzugehen, dass hat den Menschen gefallen.
Wenn man in unserem Land nicht mehr nach seiner Arbeit bewertet wird, sondern nur noch nach Schwächen in der Vergangenheit, wer von uns dürfte dann noch in seinen Positionen sitzen und wie weit zurück wird man dann bewertet? Die so genannte Affaire ist eine weitere unschön gelaufene Geschichte, eine weitere Peinlichkeit die so hätte nicht sein müssen und die bei den Menschen einmal mehr ein „Gschmäckle“ im Zusammenhang mit der CDU hinterlassen wird, welches die CDU so nicht verdient hat. Soweit an dieser Stelle von mir, meine Meinung zu diesem Thema, gestützt auf viele Gespräche mit Leuten die sich ebenfalls darüber ärgern. Und ganz vertraulich sei noch ein privater Gedanke angeführt, es würde mich nicht wundern wenn Herr zu Guttenberg nächstens im Bayern und später in Berlin eine Rolle spielt, es wäre sogar erfreulich. Ihnen und Ihrer Familie ein gesegnetes Wochenende.
Mit freundlichen Grüßen, Ihr Thomas Große
Mitglied der CDU-Stadtratsfraktion Radebeul
Zitat
Die glücklichen Sklaven sind die erbittertsten Feinde der Freiheit. Marie von Ebner-Eschenbach |


